Kurzvita Timotheus

Darum bin ich Franziskanerbruder vom Heiligen Kreuz

Das Ordensleben war mir nie fremd, schließlich leben zwei meiner Tanten und eine Kusine  im Kloster. Überhaupt war religiöses Leben in meiner Familie immer ein Thema. Als mein ältester Bruder den Weg in eine sozial-caritative Ordensgemeinschaft fand, blieb dieser Schritt auch für mich nicht ohne eigene Auseinandersetzung und Fragen. Mit großem Interesse las ich Biographien und Lebensportraits von heiligen Ordensgründern, denn „diese zeigten mir, wie man anders leben kann.“ Es geht nicht darum, eine billige Kopie eines Heiligen zu sein, sondern diese besonderen Menschen zeigen mir, wie man den Spuren Jesu folgt. Doch ein solcher Weg führt nicht immer geradeaus. Das erfuhr ich nach einigen Jahren in einer Ordensgemeinschaft, als ich merkte, dass mir etwas fehlt und mich entschloss, zu den Franziskanerbrüdern zu wechseln.

Ich sehe meinen Platz klar unter den „gewöhnlichen“ Menschen. „Ich verstehe mich als Kettenglied, welches das Volk, die Menschen mit der Kirche verbindet.“ Dieses Verbindungsglied zu sein, versuchte ich als studierter Katechet und Religionspädagoge lange Zeit als Religionslehrer in der Schule, im Kindergarten, und heute eben in meiner Arbeit mit geistig Behinderten.

In dieser Lebenshaltung ist Br. Timotheus das Leben von Br. Jakobus Wirth wichtige Inspiration. Gerade das jugendliche Alter bei der Ordensgründung hat mich angesprochen, denn es hilft, sich mit ihm zu identifizieren. Und dann ist da noch sein klares Bekenntnis zu dem was ihn erfüllt: die Liebe Gottes, und zu dem was ihn bewegt: die Menschen vor Ort.

Bestärkung finde ich vor allen Dingen in Begegnungen. Dabei mache ich oft die Erfahrung, dass viele Menschen eine innere Distanz zum offiziell Religiösen empfinden, aber dennoch eine tiefe Sehnsucht nach Gott empfinden.

Damit ich mein Leben so führen kann, ist es mir wichtig, nicht als Einzelkämpfer unterwegs zu sein. Die Gemeinschaft der Mitbrüder ist mir Hilfe und Stütze im alltäglichen Dienst am Menschen wie auch im geistlichen Wachstum. Aber unsere Gemeinschaft muss immer wieder von Neuem bewusst gepflegt und bestätigt werden. Schließlich ist es auch bei uns wie in einer guten Familie: Man streitet sich schon mal, doch am Ende hält man zusammen.

Mir wird auch zunehmend deutlich, dass wir nicht alles selbst planen und vorbereiten müssen, sondern in Vielem auf die göttliche Vorsehung vertrauen können. Wenn ich den Menschen begegne, seien sie behindert, gesund, jung oder alt, wenn ich meinen Dienst an ihrer Seite tue und Vertrauen wächst, dann ist dies für mich Gottesdienst.